Die Gemeinde Ihringen in Baden-Württemberg

Klimawandel Große Hitze fordert kleine Kommunen besonders

Stand: 13.08.2025 • 05:01 Uhr

Hitze beeinträchtigt die Gesundheit. Hitzeschutz ist deshalb schon in vielen Großstädten Thema. Anders sieht es in kleinen Gemeinden aus. Sie haben dafür wenig Ressourcen - doch es tut sich was.

Von Franziska Ehrenfeld, SWR

Die Gemeinde Ihringen hat etwa 6.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Sie liegt im Oberrheingraben in der Nähe von Freiburg in Baden-Württemberg - und sie ist eine der wärmsten Gemeinden Deutschlands. Das ist gut für Weinbau und Tourismus. Gleichzeitig werden Hitzewellen zunehmend zum Problem. Hitzeschutzkonzepte gibt es nämlich in kleinen Gemeinden aber bisher kaum.

Test für neuen Hitzeschutz-Standard

Forschende der Uni Freiburg und des Süddeutschen Klimabüros am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wollen das ändern: mit PROLOK - einem Prozessschema für lokalspezifische Hitzeanpassung speziell in kleinen Kommunen. Sie haben eine Art Standardverfahren dafür entwickelt, wie kleine Orte Hitzeschutzmaßnahmen erarbeiten können.

Anhand von Ihringen wird dieses Schema erprobt. Denn in der Gegend um Freiburg wird es noch heißer werden, sagt Doktorandin Christine Mihalyfi-Dean vom KIT. "Aktuell gibt es im Oberrheingraben etwa neun heiße Tage. Ein Tag gilt dann als heißer Tag, wenn die Maximaltemperatur über 30 Grad steigt. Und in einem zukünftigen Klima sehen wir eine Verdopplung bis Verdreifachung der heißen Tage mit besonderem Fokus auf dem Oberrheingraben."

Ein Team der Uni Freiburg hat deshalb seit Oktober 2024 zusammen mit Ihringer Bürgerinnen und Bürgern an Maßnahmen gegen die Hitze gearbeitet.

Hitzeschutzmaßnahmen müssen umsetzbar sein

Ideen für Maßnahmen gibt es bei den Ihringer Workshops: von Ausflügen in den Wald mit Kindergarten und Schule, über Wasserspender und mittägliche Siesta bis hin zu einem Hitzetelefon, mit dem sich die Gemeindeverwaltung mit älteren Menschen vernetzt.

Anfang 2025 standen dann folgende Fragen im Fokus: Was bringt wie viel? Und wie hoch ist der Aufwand? Denn alle Maßnahmen müssen für die kleine Gemeinde letztendlich machbar bleiben, auch mit wenig Zeit und Personal, sagt Bürgermeister Benedikt Eckerle. Ohne PROLOK hätte die Gemeinde sich des Themas gar nicht angenommen, erklärt Eckerle weiter.

So profitiert die Gemeinde von der Expertise der Forschenden - und die wiederum lernen aus den Diskussionen bei den Workshops.

Maßnahmen müssen auf Kommune zugeschnitten sein

Nach zwei Terminen zieht das Team um Geografie-Professor Hartmut Fünfgeld ein erstes Fazit: Hitzeschutz könne auch mit wenigen Ressourcen funktionieren. Und: "Es gibt manche Maßnahmen, die hier entwickelt wurden, die man eins zu eins in anderen Kommunen übernehmen könnte. Andere sind dagegen sehr spezifisch. Zum Beispiel wurde hier gesagt, man könnte kühle Orte in Weinkellern anbieten." Man müsse also immer auch den lokalen Kontext mit einbeziehen.

Ihringen feiert erste Erfolge

Nach den Workshops und Diskussionen zeigt der Sommer und die jetzige Hitzewelle: Viele Ideen haben es nicht auf die Maßnahmenliste geschafft, weil sie zu teuer oder zu aufwendig wären. Dazu gehört etwa das Hitzetelefon.

Erste Erfolge gibt es aber: Die Gemeinde informiert ihre Anwohnerinnen und Anwohner jetzt über ihre Homepage und über Social Media regelmäßig darüber, was bei Hitze zu tun ist.

Schule geht Hitzeschutz jetzt systematischer an

Auch an der Ihringer Albert-Schule hat sich etwas getan. An der sonderpädagogischen Einrichtung werden die Klassen 1 bis 9 unterrichtet. Hier gibt es jetzt ein neues Lüftungskonzept: Schon früh morgens wird möglichst viel kühle Luft in die Klassenzimmer gelassen.

Außerdem gibt es Beutel mit Sonnenhut und Sonnencreme und auf dem Pausenhof ein Sonnensegel. Um Hitzewellen rechtzeitig zu erkennen, prüft die Schulleitung Warnungen vom Deutschen Wetterdienst noch länger im Voraus. Seit April gibt es außerdem einen Wasserspender.

Personalmangel lähmt die Umsetzung

Andere Maßnahmen konnten in Ihringen allerdings bisher nicht umgesetzt werden. Das liegt unter anderem daran, dass in der Gemeinde laut Eckerle gerade zwei von 15 Angestellten längerfristig ausfallen. Der Bürgermeister ist enttäuscht.

"Letzten Endes war das Hauptziel des Workshops, für kleine Kommunen etwas zu entwickeln, was man personell und finanziell vermeintlich gut umsetzen kann. Jetzt spüren wir schon direkt mit den zwei Ausfällen, dass es mitunter nicht ganz so schnell geht wie bisher erhofft."

Austausch und Vernetzung sind zentral

Geologe Fünfgeld ist trotzdem zufrieden mit dem Pilotprojekt. Die Workshops in Ihringen hätten dort zum ersten Mal Menschen zum Thema Hitze zusammengebracht - für einen fachlichen und erfahrungsbasierten Austausch. Und genau darum gehe es: ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Ihr Prozessschema haben die Forschenden nach den Workshops auch in Freiburg vorgestellt. Bei einem Vernetzungstreffen mit Gemeindevertretern aus der ganzen Region haben sie es noch einmal zur Diskussion gestellt, damit sie weiter daran feilen können. Denn künftig will das Team der Uni Freiburg mit weiteren Gemeinden am Hitzeschutz arbeiten.

Pfeil hoch