In RLP fehlen Kinderärzte, vor allem auf dem Land. Das sorgt in der Eifel für volle Praxen.

Rheinland-Pfalz Eifeler Familie muss eine Stunde zum Kinderarzt fahren

Stand: 08.05.2025 06:04 Uhr

In Rheinland-Pfalz fehlen Kinder- und Jugendärzte, vor allem auf dem Land. Das betrifft auch die Eifel. Eltern suchen verzweifelt nach einem Arzt für ihren Nachwuchs.

Von Daniel Novickij

Bloß schnell gesund werden. Jeanette Burgard aus Daun kocht eine Hühnersuppe, denn zwei ihrer drei Kinder sind erkältet. "Das ist ein Rezept aus meiner Kindheit. Sie ist entzündungshemmend", erzählt die 36-Jährige.

Eine Stunde Autofahrt zum Kinderarzt nach Cochem

Jeanette Burgard hofft, dass das bewährte Hausmittel ihren vierjährigen Sohn und ihre neunjährige Tochter schnell fit macht. Denn sollte ein Kinderarztbesuch notwendig werden, droht der Familie zusätzlicher Stress: Die Autofahrt dorthin dauert nämlich eine Stunde.

Jeanette Burgard und ihre Kinder wünschen sich einen Kinderarzt in der Nähe. Die Mutter aus Daun fordert mehr Kinderärzte in der Eifel.

Jeanette Burgard und ihre Kinder wünschen sich einen Kinderarzt in der Nähe. Die Mutter aus Daun fordert mehr Kinderärzte in der Eifel.

Ihr Kinderarzt hat eine neue Praxis in Cochem und die ist rund 50 Kilometer weit entfernt. "Da sind schon viele Tränen im Auto geflossen. Wir sind mit der aktuellen Situation nicht zufrieden", klagt die dreifache Mutter.

Praxen in der Eifel oft überlastet

Jeanette Burgard sucht seit Monaten nach einem neuen Kinderarzt in der Nähe von Daun - bislang aber ohne Erfolg. Die Praxen in der Eifel arbeiteten häufig am Limit und nähmen kaum noch neue Patienten auf, erzählt die dreifache Mutter: "Ich habe stundenlang mit den Arztpraxen telefoniert. Ich war sehr verzweifelt und fühlte mich auch allein gelassen."

Jeanette Burgard: "Kinderärzte sind zum Luxus geworden"

Jeanette Burgard ist kein Einzelfall. Bei einer SWR-Umfrage berichteten zahlreiche Eltern aus der Region Trier über ähnliche Erfahrungen. Allerdings gab es auch Eltern, die mit der Gesundheitsversorgung in der Kinder- und Jugendmedizin zufrieden sind. Diese sind aber eigenen Angaben nach seit der Geburt ihrer Kinder bereits bei einem Kinderarzt untergebracht.

Kassenärztliche Vereinigung: Reform der Bedarfsplanung notwendig

Die Recherche zeigt, dass zusätzliche Kinderärzte gebraucht werden. Allerdings dürften sich diese in der Vulkaneifel aktuell nicht niederlassen. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gibt es dort in der Kinder- und Jugendmedizin keine freien Arztsitze mehr.

Was ist die Bedarfsplanung?
Wie viele Kinderärzte in einer Region praktizieren dürfen, bestimmen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVs). Insgesamt gibt es in Deutschland 17 KVs entsprechend der Bundesländer, mit Ausnahme von NRW, das in zwei KVs unterteilt ist. Mit der sogenannten Bedarfsplanung legen die KVs für die Regionen in ihrem jeweiligen Bundesland fest, wie viele Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten gebraucht und wie viele Ärzte dementsprechend für die Behandlung von Kassenpatienten zugelassen werden. Die Bedarfsplanung wurde 1992 vom damaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer eingeführt, um die Niederlassung der Ärzte dahingehend zu steuern, dass bundesweit eine wohnortnahe Versorgung sichergestellt wird.

Die KV steuert, wie viele Ärzte in einer Region maximal arbeiten dürfen. Die Leitlinien dafür gibt aber die Politik mit der sogenannten Bedarfsplanung vor. Diese sei aber veraltet, sagt die Kassenärztliche Vereinigung und fordert eine Reform.

Die Situation bei den Kinderärzten macht uns Sorgen. Julia Gieseking, Landrätin des Kreises Vulkaneifel

"Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie sehr sich Theorie und Praxis unterscheiden können", so die Landrätin des Vulkaneifelkreises Julia Gieseking. Die derzeitige Situation macht der SPD-Politikerin Sorgen: "Wir alle wollen, dass unsere Kinder medizinisch gut versorgt sind."

In anderen Landkreisen der Region Trier fehlen Kinderarztsitze

Während im Vulkaneifelkreis alle Kinderarztsitze besetzt sind, sieht es in den umliegenden Landkreisen in der Region Trier anders aus. Nach Zahlen der KV fehlen im Kreis Birkenfeld 1,5 Arztsitze in der Kinder- und Jugendmedizin, im Eifelkreis Bitburg-Prüm sogar drei Arztsitze - Spitzenwert in Rheinland-Pfalz.

Überlastung bei den Ärzten ist Alltag. Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz

Eltern berichteten dem SWR, dass sie notgedrungen längere Wege zum Kinderarzt in Kauf nehmen müssen. "Folglich müssen die verbleibenden Ärzte mit weniger Arbeitszeit einen wachsenden Behandlungsbedarf bewältigen. Überlastung ist Alltag", so die Kassenärztliche Vereinigung.

Julia Gieseking, Landrätin des Vulkaneifelkreises, fordert eine schnelle Lösung: "Die KV sollte alles dran setzen, diese offenen Kassenarztsitze zu besetzen, um die Gesundheitsversorgung insgesamt zu verbessern." Dann dürfte sich auch die Situation für Kinder, Eltern und Kinderärzte in der Vulkaneifel entspannen.

Forderung nach mehr Unterstützung durch die Politik

Doch es brauche auch Hilfe durch die Politik, erzählt Nora Meyer, Gesundheitsmanagerin des Vulkaneifelkreises. Zusammen mit drei anderen Landkreisen formuliere man einen Forderungskatalog an Land und Bund. Der soll im Sommer verschickt werden. Eine Maßnahme sei, die Studienplätze in der Medizin in Rheinland-Pfalz zu erhöhen.

RLP will "Landkinderarztquote" einführen

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium will in diesem Jahr wegen des Kinderarzt-Mangels als ersten Schritt eine sogenannte Landkinderarztquote einführen. Künftig soll eine bestimmte Anzahl an Medizinstudenten dazu verpflichtet werden, sich später als Kinderarzt auf dem Land niederzulassen.

Die Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und der Eifelkreis Bitburg-Prüm halten die geplante Quote für einen Schritt in die richtige Richtung. Ebenso der Vulkaneifelkreis. "Das ist aber eine langfristige Lösung", so Gesundheitsmanagerin Meyer. Es bräuchte kurz- und mittelfristig weitere Maßnahmen, um die Gesundheitsversorgung auf dem Land zu verbessern.

Wir brauchen attraktivere Arbeitsbedingungen für Kinderärzte. Stefan Metzdorf, Landrat des Kreises Trier-Saarburg

Ähnlich sieht es auch der Landrat des Kreises Trier-Saarburg, Stefan Metzdorf (SPD): "Weiterbildungsnetzwerke müssen ausgebaut und attraktivere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Kinderärzte sich dauerhaft auf dem Land niederlassen."

Sendung am Do., 8.5.2025 6:00 Uhr, SWR4 RP am Morgen, SWR4 Rheinland-Pfalz